Brief aus Rumänien
Liebe Unterstützer und Förderer unserer Jugendarbeit!
In den letzten Jahren ist sehr viel Gutes mit unseren Jugendlichen passiert. Sie leben in kleineren Gemeinschaften, gehen zusammen mit Kindern und Jugendlichen aus der Stadt in die Schule. Sie nehmen am Kindergottesdienst der katholischen Kirche teil. Sie bleiben aber weiter sehr benachteiligt gegenüber anderen Jugendlichen der Stadt.

Bild: Wir feiern Geburtstag im Kreis der Jugendlichen
Am meisten fehlt ihnen die verbindliche Beziehung zu den Eltern, die Liebe der Eltern. Ich erinnere mich, wie wichtig es für mich als Jugendliche war, dass ich meine Mutter neben mir wusste. So hatte ich keine Angst, mich gegenüber Meinungen und Vorstellungen zu äußern, die meiner Vorstellung und Moral nicht entsprochen haben. Ich hatte keine Angst, mich selbst zu leben, weil ich wusste, ich habe jemanden der mich sowieso liebt und zu mir steht, auch wenn ich andere verliere. Ich konnte mit ihr darüber sprechen, was in einem kleinen oder heranwachsenden Mädchen so vorgeht. Und sie hat mich trotz ihrer vielen Arbeit, Aufgaben und der anderen drei Geschwister geduldig angehört. Sie hat mich getröstet, ermutigt, sich über meine Erfolge gefreut. Sie wusste Bescheid über mich und mein Leben.
Noch heute als Frau wundert es mich, wie viel ich von ihr habe. Ich kann meinen Haushalt führen, kochen, bügeln, nähen, stricken, einen Gemüsegarten anlegen, ohne dass ich es je bewusst gelernt hätte. Ich ging damals mit meiner Mutter und Familie arbeiten. Ich habe ihr bei ihren täglichen Aufgaben geholfen. Wir haben uns dabei gut unterhalten. Es war zwar manchmal ein Zwang für mich, denn viele meiner Kameraden vergnügten sich auf dem Spielplatz. Es war trotzdem ein schönes gemeinsames Leben in der Großfamilie. Und ich habe gelernt, was es bringen kann, wenn man nicht nach Lust und Laune seinen Tag verbringt, sondern gezwungen ist zu arbeiten, um etwas zu erreichen. Denn alle Menschen in meiner Umgebung haben es getan.

Bild: Beim Hochwassereinsatz
Heute, wenn ich die Jugendlichen um mich herum habe, wir vieles gemeinsam unternehmen, dann kann ich ermessen, wie unersetzlich eine Familie ist. Nicht nur als liebende Menschen, auch als eine Wissensumgebung, wo das Kind spontan, ohne große Kraftanstrengung, fast spielerisch die wichtigsten Sachen lernen kann, um sein Leben, den Alltag zu bewältigen.
Die Jugendlichen sind sehr wissensbedürftig und manchmal hochbegabt, es fehlt ihnen aber an Motivation, an Dauerhaftigkeit. Motiviert werden sie erst, wenn sie von etwas persönlich berührt sind.
Ich suche immer nach Möglichkeiten auch gemeinsam zu arbeiten. Wir nehmen hier und dort gemeinnützige Aufgaben wahr. Ich beziehe sie in die Arbeit und Programmvorbereitung bei Fehérlófia ein. Oft sagen sie mir nach einem gemeinsamen Arbeitstag, wie schön der Tag für sie war.
Sehr oft habe ich aber doppelte Arbeit, wenn ich mit ihrer Hilfe etwas mache, denn sie haben es bis jetzt zum Beispiel nicht gelernt, die Arbeit vorzubereiten, danach aufzuräumen und sie können nicht selbstständig arbeiten. Sogar das Aufwaschen oder Kehren, Abwaschen machen wir gemeinsam mit den 14- bis 17-Jährigen, damit sie es lernen. Mir ist bewusst, dass die Erziehung, die sie im Heim und in den Wohngruppen bekommen haben, oft nur Wissensvermittlung bleibt und eine Erziehung zu Anpassung und Gehorsam ist.
Ich hoffe, wir können mit Ihrer Hilfe etwas an dieser aussichtslosen Situation ändern und die Jugendlichen für ein selbstständiges Leben besser vorbereiten.
Ich bedanke mich für die bisherige und weitere Unterstützung, denn ohne Sie wären sogar dieses Glück und diese Chance für die vielen allein stehenden Jugendlichen in Keresztúr nicht möglich.
Heute habe ich über ein Ehepaar in Ungarn gelesen, das heute sein zwanzigstes Kind bekommen hat. Wenn sie zu Weihnachten an einem Tisch sitzen, dann sind es mit Enkelkindern und Familienangehörigen 57 Menschen, die zusammen Weihnachten feiern. Sie sind alle gesund und freuen sich in einer Großfamilie zu leben.
Mit diesem Gedanken und mit einem Gebet für unsere und Ihre Kinder und für Ihre Familien wünsche ich ein glückliches, gesegnetes Weihnachten und ein gutes neues Jahr.
Ihre
Hajnalka Mátéffy
Im Februar und März 2006 ist Hajnalka Mátéffy in Deutschland. Wir möchten die Arbeit in Rumänien weiteren Kreisen vorstellen, weil wir dringend Spenden benötigen, um die Arbeit auch in Zukunft leisten zu können. Ich bitte Sie darum uns weiterzuempfehlen. Hajnalka Mátéffy würde sich freuen unsere Arbeit z. B. in Kirchgemeinden, Vereinen, Initiativen vorzustellen.
E-Mail: feherlofia@netter.ro
Mobil: 0176 50029795 (ab 20. Januar 2006)
oder über
Ulrike Heinitz, Rumänieninitiativgruppe Bautzen, Öffentlichkeitsarbeit
E-Mail: info@rig-bautzen.de
Veröffentlicht am 14.12.05 12:32

