Ein Beitrag von Csaba Mátéffy – Kinder bei Fehérlófia

Aus dem Freundesbrief Juli 2005 der Rumänieninitiativgruppe Bautzen e.V.

Ich bin Mátéffy Csaba, Mitarbeiter bei Fehérlófia und Vater von zwei Kindern.

Ich organisiere wöchentlich für etwa 40 Kinder Programme. Meine Programme sind eher eine Art „Treffen“ in dem Sinne von Gemeinschaft, Lachen, Erfolgserlebnisse in der Zeit der kreativen Arbeit. Wenn ich früh zur Arbeit gehe, lachen mich viele Kinder auf der Straße an und grüßen mich: „Csókolom, Onkel Csaba“. Es ist ein wunderbares Gefühl!

Die „Treffen“ sind sehr besucht. Die Workshops haben eine spielerische, lockere Atmosphäre, das zieht die Kinder an. Viele von ihnen kommen aus armen Verhältnissen und haben kein Geld, die im Atelier erlernten Sachen zu Hause zu erlernen und eine Gemeinschaft zu genießen. Oft haben die Eltern nicht die Zeit, sich mit ihren Kindern zu beschäftigen. Ich glaube das wichtigste Erlebnis der Kinder im Atelier ist, die Welt der Erwachsenen durch unsere Gemeinschaft und gemeinsame Arbeit zu erleben.

Diesen Bedarf merke ich am meisten bei den Kindern von den Wohngruppen oder bei Kindern, wo die Mutter oder der Vater fehlt. „Nach meiner Mutter ist mir Csaba bácsi der nächste Mensch“ hat mir einmal der 11-jährige Peter gesagt. Er ist regelmäßig beim Atelier dabei. Es sind traurige Wörter. Es ist ein Zeichen dafür, dass er in seiner familiären Umgebung niemanden findet, der die Rolle des fehlenden Vaters übernehmen würde. Seine Situation ist nicht einmalig.

Die Rolle des Vaters zu übernehmen ist eine große Verantwortung. Mann muss den Kindern bei der Arbeit viel Aufmerksamkeit schenken und sie sehr beachten. Beim Bogenschießen, wo die Atmosphäre etwas ernster ist, kann ich mit ihnen aber auch von „Mann zu Mann” reden. Man muss immer entschieden sein, ihre kindliche Witze sollte man achten, ihre Erfolge anerkennen.

Lehel ist zwölf Jahre alt und kommt aus einer betreuten Wohnung. Ich habe ihn als ein zurückhaltendes Kind kennen gelernt. In den gemeinsamen Sportnachmittagen, beim Bogenschießen war er sehr geschickt. Wenn ich ihn aber etwas fragte, ist er rot geworden und hat zurückhaltend geantwortet. Als Ergebnis der Anerkennung und Achtung ist er heute ein sehr talentiertes Mitglied unserer Theatergruppe. Vor ein paar Tagen sind wir uns auf der Straße begegnet. Woher kommst du, fragte ich ihn. „Ich komme vom großen Saal. Ich habe gewartet, ob vielleicht Csaba bácsi vorbeikommt.“

Zoltán und Orsi versuchen immer im Zentrum zu stehen. Es sind laute Kinder, die die anderen gering schätzen. Mit kleinen Tricks, kleinen Zurücksetzungen habe ich erreicht, dass sie sich an die Regeln der Gemeinschaft halten, sich integrieren und die anderen auch akzeptieren und annehmen können. Seit dem vergessen sie sich in der Gemeinschaft und beim Spiel.

Ein Teil der Kinder kommt zu uns um handwerkliche Fähigkeiten, neue Techniken zu erlernen und freuen sich über die gefertigten Sachen. Andere zieht die Exotik des Bogenschießens an. Die meisten finden bei uns Erwachsene, die sie begleiten, sie achten und mit ihnen spielen! Die Treffen erfüllen sie und uns mit Freude.

Csaba Mátéffy, Székelykeresztúr, 10. Juni 2005

Veröffentlicht am 10.06.05 12:35