Ein Brief von Tünde - Ein paar Zeilen über mein Leben und den Verein Fehérlófia

Aus dem Freundesbrief Juli 2005 der Rumänieninitiativgruppe Bautzen e.V.

Mein Name ist Szôcs Tünde und ich bin 18 Jahre alt. Ich wurde am 20. September 1986 geboren. Mein Vater heißt Szôcs József. Meine Mutter heißt Szôcs Anna. Ich lerne in der Berufsschule Zeyk Domokos. Ich werde Näherin sein und ich mag meinen Beruf. In der Freizeit gehe ich gern Fahrrad fahren, höre Musik, mache Ausflüge.

Es stimmt, ich wohne nicht bei meinen Eltern sondern in einer Wohngruppe mit sechs anderen Kindern zusammen. Es gibt aber noch viele andere Kinder in meiner Stadt, die in solchen Wohngruppen leben. Vor etwa anderthalb Jahr wurde ein Verein in Keresztúr gegründet, wo mit Kindern und Jugendlichen gearbeitet wird, die erst jetzt in die große Welt hinausgekommen sind. Es sind Kinder und Jugendliche aus den Wohngruppen. Ich gehöre auch zu ihnen.

Der Name des Vereins ist „Fehérlófia“. Er ist wie ein Wunder für mich, weil ich weiß, das wir dort vieles lernen und ich merke, das wir es nötig haben. Wir haben viele Handarbeiten dort gelernt, die für Frauen wichtig sind: Nähen, Kochen, Ostereier malen, Feste gestalten.

Ich weiß, das Fehérlófia auch für die anderen wichtig ist, die Fahrrad fahren und Sport mögen.

Mein schönstes Erlebnis bei dem Verein war die Pilgerfahrt nach Csíksomlyó. Die Leiterin des Vereines, Mátéffy Hajnalka, fragte mich, ob ich nach Csíksomlyó pilgern möchte. Und ich hatte gerade den geheimen Wunsch gehabt, mit den anderen aus Keresztúr nach Csíksomlyó zu pilgern. Ohne nachzudenken habe ich ja gesagt. Wir haben zu Hause erst die Lieder und Gebete gelernt. Dann kam die Zeit als wir uns auf den Zug setzten und nach Udvarhely fuhren. Wir waren aber mehrere aus Keresztúr. Sowohl aus den Wohngruppen als auch von der Stadt. Und da war noch Britt und auch der Mann von Hajnika. In Udvarhely haben wir uns der Jugend von Udvarhely angeschlossen und es ging los zu Fuß nach Csíksomlyó. Wir waren etwa dreihundert Menschen. Den ganzen Weg lang haben wir gesungen und gebetet. Am Abend sind wir in einem Dorf angekommen und dort haben wir nach Unterkunft gefragt. Wissen sie, wo wir geschlafen haben? Wir haben Unterkunft im Heu bekommen. Es war so schön. Ich und die anderen haben noch nie im Heu übernachtet. Am nächsten Tag sind wir früh, noch im Dunkel, losgegangen. Viele andere fuhren in Bussen an uns vorbei. Vier Busse kamen auch aus Keresztúr. Es war schön, sie zu sehen und zu begrüßen. In Somlyó haben wir uns aus Keresztúr dann alle getroffen und wir haben erzählt, wie schön es war zu Fuß zu kommen.

Als die Messe und Feier zu Ende war, sollten wir mit den Bussen aus Keresztúr heimfahren. Ich und meine Freundin haben aber in unserem Bus keinen Platz mehr bekommen. Wir sollten mit einem anderen Bus fahren, zusammen mit Menschen aus Ungarn. Sie haben uns aber nicht gern im Bus mitgenommen und konnten uns nicht leiden. Ich war enttäuscht und habe sehr darauf gewartet, endlich nach Hause zu gelangen und im eigenen Bett zu schlafen. Es war trotz der Schönheit der Reise unangenehm an einem fremden Platz zu schlafen.

Als ich zu Hause ankam, war ich sehr müde. Ich konnte meine Beine nicht fühlen. Ich habe gebadet, gegessen und ging sofort schlafen. Vor dem Einschlafen war ich aber noch froh und habe im Gebet gedankt, das ich diesen Weg, auf den ich in Körper und Seele so vorbereitet war, doch gemacht und geschafft habe. Ich war aber auch deswegen froh, weil es jemanden gab, der mich eingeladen und mitgenommen hatte, Hajnika néni.

Und das hat mir sehr gut getan.

Was ich noch mag? Ich mag es sehr, wenn zu Weihnachten die Deutschen kommen und wir zusammen Weihnachten und Neujahr feiern. Ich mag auch, das wir bei Fehérlófia Deutsch und Englisch lernen. Ich weiß, das ich zu viel über den Verein geschrieben habe, aber ich musste das irgendjemanden sagen. Wegen mir und auch wegen den anderen musste ich es aussprechen, weil es uns dort (beim Verein) wirklich gut geht und wir gehen mit ganz freiem Herzen dorthin. Und nicht nur wir, da kommen auch Kinder von der Stadt, zum Beispiel am Samstag.

Vielen Dank, das sie die Zeit geopfert haben, um zu lesen, wer ich bin und mit wem dieser Verein arbeitet.

Tünde Szôcs, Székelykeresztúr, 5. April 2005

Veröffentlicht am 10.06.05 12:37