Eine Praktikantin bei Fehérlófia - Jolán
Aus dem Freundesbrief Juli 2005 der Rumänieninitiativgruppe Bautzen e.V.
Jolán ist 20 Jahre alt und im Kinderheim aufgewachsen. Seit einem Jahr lebt sie in einer der Domus-Wohnungen in Keresztúr und versucht sich in der rumänischen Alltagsrealität durchzuschlagen. Das ist besonders schwer, wenn man keine Familie hat.
Sie hat schon versucht in der Schuhfabrik in Keresztúr und in anderen Großfabriken zu arbeiten. Es ist eine harte Arbeit für einen Lohn von etwa 50 Euro im Monat, was auf keinen Fall für ein eigenständiges Leben reicht. Jolán denkt schon lange darüber nach, wie sie es schaffen könnte eigenständig zu werden und eine bessere Arbeit zu bekommen. Vor allem fehlt ihr eine gute Ausbildung und Bildung allgemein. Sie ist unter Sozialer Arbeit aufgewachsen. So ist ihr diese Arbeit vertraut und bekannt. Sie möchte mehr über Sozialarbeit wissen und will sich in dieser Richtung weiterbilden.
Vor allem im Bereich Altenpflege und Behindertenarbeit haben sich ehemalige Heimjugendliche bewährt. Ihre Ursprünglichkeit, Offenheit und Gelassenheit hilft Grenzen zu beseitigen, was bei der Arbeit mit behinderten Menschen wichtig ist.
Wir versuchen, Jolán ab September zu einem Freiwilligendienst in Deutschland zu verhelfen. Das TIK in Bautzen empfängt auch Jugendliche aus Rumänien zum Freiwilligendienst. Zurzeit ist Botond Fodor beim TIK im Freiwilligendienst. Wenn wir die Finanzierung von der EU bekommen, wird auch Jolán ab September ins TIK gehen können. Jolán betrachtet das eine Jahr in Deutschland und im TIK als große Chance für sich. Sie könnte die deutsche Sprache lernen, eine neue Welt und Denkweise entdecken, wichtige Erfahrungen für ihr zukünftiges Berufsleben machen.
Zsuzsa z. B., ein Mädchen aus Keresztúr, das wir zum Freiwilligendienst in Gut Gamig in Dohna entsendet haben, kann heute sehr gut Deutsch und hat bessere Chancen in Rumänien eine Arbeit zu finden. Sehr wenige Jugendliche aus Rumänien können ins Ausland gehen. Für Tourismus haben wir kein Geld, der europäische Freiwilligendienst ist unbekannt und wird vom Land nicht gefördert. In Österreich ist manchmal Babysitten möglich, denn dort wohnen viele Ungarn und sie suchen nach billigen Arbeitskräften aus Siebenbürgen.
Heute macht Jolán bei uns ein Praktikum. Sie will sich gut vorbereiten, damit sie ihrem Dienst in Deutschland besser nachgehen kann. Bei uns kann sie das Leben in einem Verein kennen lernen. Bis jetzt war sie Besucher, jetzt ist sie Mitarbeiterin und Kollegin geworden. Das schätzt sie sehr und geht fleißig ihren Aufgaben nach. Es gibt viel Hintergrundarbeit, die man als Besucher nicht merkt. Jetzt kann sie hinter die Kulissen schauen und sie ist erstaunt, wie viel Arbeit, Zeitaufwand und Engagement es erfordert, einer organisierten Arbeit nachzugehen und vor allem mit Menschen zu arbeiten.
Gerade das gefällt ihr aber. Sie bringt schon ihre Freundinnen zum mithelfen mit und so haben wir jetzt in unserem Verein einen kleinen Kreis ehrenamtlicher Mitarbeiter, die engagiert unser Büro und den großen Raum putzen, Ordnung halten, Programme mit vorbereiten und durchführen. Jolán will noch viel lernen. Wir unterstützen sie weiter, damit sie ihre Ziele erreichen kann.
Hajnalka Mátéffy, Székelykeresztúr, 10. Juni 2005
Veröffentlicht am 10.06.05 12:35

