Geschichte

In Rumänien herrschte von 1969 bis 1989 der Diktator Nicolaie Ceausescu mit seiner Frau Elena. Parallel zu einem wahnwitzigen Personenkult zerstörte deren Politik kontinuierlich viele Lebensbereiche des Landes. Rigorose Umsiedlung von Minderheiten, gigantische Industrialisierungsprojekte, Zerstörung der Umwelt, allgegenwärtige Staatsicherheitspolizei, Verfolgung von Kritikern, Zerstörung von Kultur und Tradition vieler Regionen und eine restriktive Geburtenpolitik prägten das Land bis 1989.

Während das Volk hungerte und fror und es viele Grundnahrungsmittel nur auf Rationierung gab, wurde in Bukarest das zweitgrößte Gebäude der Welt als Palast für die Ceausescus errichtet. Eine Million Menschen sollten davor Platz finden um dem Diktator zuzujubeln. Ein großer Diktator braucht ein großes Volk – dachten sich die Ceausescus und befahlen den Frauen Kinder zu gebären. Jegliche Geburtenkontrolle wurde verboten. Es gab keinerlei Verhütungsmittel, Schwangerschaftsabbrüche standen unter Strafe. Frauen wurden zum Teil in Betrieben monatlich zwangsuntersucht um Schwangerschaften festzustellen.

Auf diese Weise wurden viele Kinder geboren, die von ihren Eltern nicht versorgt werden konnten und überall im Land entstanden Kinderheime, die meistens nicht mehr als reine Aufbewahrungsanstalten waren und in denen sich kaum jemand wirklich um das Wohl der Kinder sorgte.

Weihnachten 1989 wurde die Ceausescu Diktatur gestürzt. Erst dann bekam die Welt die erschreckenden Bilder eines zerstörten Landes und dessen gequälten Menschen zu sehen.

Seit 1990 leben und arbeiten im zweitgrößten rumänischen Kinderheim in Cristuru-Secuiesc junge Deutsche im Rahmen eines Freiwilligendienstes für ein bzw. zwei Jahre mit den ca. 550 Kindern. Die Kinder, die aus diesem Heim kommen und dort ohne Eltern und Liebe aufwuchsen. Székelykeresztúr heißt diese Stadt auf Ungarisch. Cristuru-Secuiesc auf Rumänisch. In dieser Region leben jedoch vorwiegen Menschen die zur ungarischen Minderheit in Rumänien gehören und darum verwenden wir den ungarischen Namen.

Vor vier Jahren wurde auf Druck der EU das Kinderheim aufgelöst. Heute leben die Kinder und Jugendlichen in verschiedenen Wohngruppen und Wohnformen in der Stadt. Zwar muss heute keines der Kinder mehr hungern, jedoch haben sich ihre Lebens- und Entwicklungsmöglichkeiten nicht wirklich sehr verbessert. Als aus einem Kinderheim, von denen außerdem viele zur Roma-Volksgruppe gehören, stehen sie zur untersten Stufe der rumänischen Klassengesellschaft. Außerdem sind die Chancen auf ein eigenständiges und gutes Leben ohne eine stützende Familie im Hintergrund sehr gering. Darum unterstützt die Rumänieninitiative Bautzen e.V. seit 1990 die Aussendung von Freiwilligen und mit der Gründung des Vereins Fehérlófia im Jahr 2003 ein festes Projekt der offenen Jugendarbeit in Székelykeresztur.

Veröffentlicht am 20.09.07 17:31