Weihnachtsrüstzeit in Rumänien

Versuch eines Reiseberichts

„Lasse nie zu, dass du jemandem begegnest, der nicht nach der Begegnung mit dir glücklicher ist.“ (Mutter Teresa)

Am 22. Dezember 2006 starteten wir, ein Gruppe von 14 Jugendliche und Erwachsenen unterschiedlichster Herkunft, am Dom zu St. Petri mit einer kleinen Andacht unsere Reise ins rumänische Cristuru-Secuiesc, um dort gemeinsam mit Waisenkindern Weihnachten und Silvester zu verbringen. Nach einer 24-stündigen Reise mit zwei Kleinbussen kam die deutsche Gruppe im ungarischsprachigen Teil Siebenbürgens in Keresztúr, so der ungarische Name für Cristuru-Secuiesc, an und startete unmittelbar am 23. Dezember ihr Programm. Am Anfang stand ein klar umrissener Arbeitsauftrag. Was uns nun jedoch von der Zeit in Erinnerung bleiben wird, ist weniger die Anstrengung, als vielmehr die wunderbaren auch uns sehr bereichernden Momente.

Weihnachten mit deutschen und rumänischen Jugendlichen in Keresztúr
Bild: Weihnachten mit deutschen und rumänischen Jugendlichen

Vollkommen unüblich für Deutschland verbrachten ganz verschiedene Leute, die sich vorher nicht kannten, ihre Zeit über Weihnachten und den Jahreswechsel zusammen, nahmen Strapazen und Stress freiwillig auf sich und fuhren ins, für viele, unbekannte Rumänien und hatten doch vereinzelt konkrete Vorstellungen was sie erwartet: Neue Leute kennen lernen und mit ihnen "arbeiten", alte bekannte wieder treffen, lernen, verstehen, lachen, weinen, abschalten, ein Land erkunden,......

Die Autofahrt an sich war die erste Probe für die Gruppe, ein erstes kennen lernen, staunen, zuhören und erzählen, schlafen lies die Zeit schnell vergehen, dabei half die bei allen und allem waltende Umsichtigkeit und Fürsorge für andere. In Rumänien dann war für viele alles vollkommen neu, für andere wiederum alles alt vertraut. Durch gute Kommunikation, Hilfsbereitschaft und natürlich entstandene Freundschaft war es für keinen ein Problem, sich mit dem Ort, den Menschen und der Situation vertraut zu machen. Dabei war jedes Erlebnis in dieser Zeit wichtig, egal ob es spaßig, traurig oder schockierend war. Bereits eine Woche vor Weihnachten waren etwa 400 in Bautzen gepackte Weihnachtspakete in Keresztúr angekommen, die am 23. und 24. Dezember von uns in die Wohngruppen, Familienhäuser und Behinderteneinrichtungen gebracht wurden.

An den Tagen nach Weihnachten boten wir den Kindern ganztags Wandern in und um Keresztúr, Basteln, Töpfern, Musik- und Tanzprojekte, Haarwerkstatt, Sport und vieles mehr an. Stets wurde unsere Arbeit mit lachenden Gesichtern, strahlenden Augen und offenen Armen der rumänischen Kinder und Jugendlichen belohnt. Unterstützung vor Ort erhielten wir Bautzener von Peter Großmann und Markus Wiatr, zwei Freiwillige, die sich auf Zeit verpflichtet haben, die Arbeit der Rumänieninitiativgruppe Bautzen e.V. in Keresztúr zu vertreten, sowie von Kinga Gergely, Sozialarbeiterin bei „Fehérlófia“, dem Jugendprojekt vor Ort.

Neben den vielen kleinen beeindruckenden und emotionalen Momenten gehörte ein gemeinsamer Besuch mit den Jugendlichen bei einem Konzert von Ten Sing Keresztúr, das Krippenspiel der rumänischen Jugendlichen, ein Besuch in der örtlichen Disko sowie der Silvesterabend, an dem wir Bautzener mit einem bunten Programm aus Märchen, Gesang und Tanz überraschten, zu den Höhepunkten dieser Reise. Jede einzelne Stunde, die wir mit den Kindern und Jugendlichen verbrachten, erwärmte die Herzen beider Seiten. Das Leben vor Ort (ohne Familie, ohne Mittel) war uns dabei imposantes Beispiel gegenseitigen Helfens. Ein jeder der Menschen dort, und sei es auch der, der sich an der ein oder anderen Stelle über Schwächen lustig machte, half anderen. Das merkte man an verschiedenen Stellen. Sei es der Teamgeist im Fußball, sei es die Übersetzungsfunktion der Älteren, die sich rührend in ihrer Muttersprache um die Kleineren kümmerten und vollkommen selbstverständlich Aufmerksamkeit und Verständnis gaben, wie sie ihnen selbst wahrscheinlich nur spärlich zu teil wurde.

Während unseres Einsatzes in Keresztúr fiel uns auch auf, an welchen Stellen der Arbeit der Mitarbeiter vor Ort noch Hilfe notwendig ist. Ein wichtiger Punkt ist das fehlende Material für Bastel- und handwerkliche Arbeiten, wie Bastelfilz, Leinwände und Farben oder Ton. Die mitgebrachten Spenden werden schnell aufgebraucht sein. Kinga Gergely ist nun inspiriert von unseren Ideen und möchte gern damit weiterarbeiten. Umso mehr ist uns bewusst geworden, wie nötig es ist, die Arbeit der Rumänieninitiativgruppe zu unterstützen. Sei es durch solche Einsätze oder finanzielle Mittel. Für die Kinder ist es so wichtig, beschäftigt zu werden. Das konnten wir mit eigenen Augen sehen, Ohren hören und Herzen spüren.

In Keresztúr von der Gemeinde mit einem herzlichen Reisesegen verabschiedet, wurden wir in der Heimat von Pfarramtsleiter Burkart Pilz im St. Petri Dom wieder willkommen geheißen. Nach diesen Tagen großer Eindrücke, Anstrengungen und vieler Emotionen kehrten wir am 2. Januar 2007 als fest zusammengewachsene Gruppe heim, die jetzt ihre Erfahrungen weitergeben und somit auch ein Stück Herzenswärme zurückbringen möchte. „Mögen sich die Wege vor deinen Füßen ebnen. Mögest du den Wind im Rücken haben. Und bis wir uns wiederseh´n und bis wir uns wiederseh´n möge Gott seine schützende Hand über dir halten.“ Diese gesungenen Zeilen hallten noch lang in den Weiten des Doms nach und werden sicher auch in den Ohren der Heimkehrer bleiben.

Hier noch ein paar persönliche Worte einiger Teilnehmer:

Anna Steinke: „Für mich war es das schönste Weihnachten und Silvester meines Lebens. Durch die Begegnungen mit den Kindern kamen mir so viele Dinge, die mir vorher schwierig oder problematisch erschienen, plötzlich unendlich klein vor. Wichtig war einfach nur, dass man da war, dass man etwas von sich geben konnte und das wiederum tausendfach zurückbekommen hat. Besonders schön war es zu merken, dass man einfach keinerlei Worte brauchte um sich zu verständigen, sondern es genügte nur, irgendeine Hand zu greifen und los zu spazieren...allein war man dabei nie. So denke ich, hat sich bei vielen von uns etwas verändert, sei es unser Blick auf die Welt oder auch auf uns selbst, weil man nicht wie sonst durch Leistung oder Intelligenz bewertet wurde, sondern dadurch, dass man einfach Zeit hatte und da war.“

Karl Hoppe: „In der zwar überschaubaren jedoch nicht kleinen Truppe entstand ein so familiäres Verhältnis mit allen Freuden und Schwierigkeiten, die man kennt; dabei war es der Glaube, der auch oder besser gerade den nicht Gläubigen alle Türen öffnete sich zu äußern, verstanden zu werden, Halt zu finden. Es war vollkommen verständlich, dass alle unterschiedlich damit umgingen, aber ohne gemeinsame Punkte (wie z.B. Essen, Feedback, Spiele..) wäre eine so intensive Zeit nicht möglich gewesen.“

Diana Reiß: „Man fährt mehr als tausend Kilometer weit weg von zu Hause - man hat weit mehr als tausendmal gelacht und gedacht, wie schön es ist hier da zu sein - man sagte mehr als tausend Worte, manche bewusst andere unüberlegt - man kehrt nach mehr als tausend Augenblicken wieder zurück - dann denkt man an die vielen tausend schönen oder traurigen Momente zurück und hofft, sie nie zu vergessen - man glaubt, man hätte tausend Dinge anders machen können - aber wenn man nur einmal richtig nachdenkt, stellt man fest, dass sich all diese Erinnerungen nicht in Zahlen ausdrücken lassen - sie bleiben einfach da, weil sie es wert sind, zu existieren.“

Wir als deutsche Gruppe sind sehr dankbar für diese Zeit und dafür, dass es Menschen gibt, die diese arbeit immer weiter führen. Das ist so wichtig, und wir hoffen, dass wir alle es niemals verlernen werden, uns einfach auf den Weg zu machen, ohne genau zu wissen, was uns erwartet.

Großer Dank gilt der Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeinde St. Petri, den Sponsoren, die den Pakettransport und den Einsatz unserer Gruppe möglich gemacht haben, im Besonderen dem IC Team Bautzen, der OBAG Bautzen sowie Stephan Härtel, der im Auftrag der Rumänienintiativgruppe Bautzen die Fahrt vorbereitete und leitete. All diese Unterstützung hat es erst möglich gemacht, den rumänischen Kindern und Jugendlichen in Keresztúr auch in diesem Jahr ein glückliches Weihnachtsfest zu bereiten.

Veröffentlicht am 04.01.07 17:40